Mama Pilates
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Die Bauchmuskulatur

Lektion 11 Kapitel 4

Dieses wundervolle Muskelbündnis aus schrägen, querverlaufenden und geraden oberflächlichen und tiefen Muskeln hat viele Aufgaben. Es stabilisiert und entlastet die Wirbelsäule, es organisiert die Bewegungen des Rumpfes sowie des Beckens, es unterstützt die Atmung und die Bauchpresse und beeinflusst nicht zuletzt Dein äußeres Erscheinungsbild. Dabei arbeiten diese Muskeln überwiegend im Verbund mit anderen Muskelgruppen wie zum Beispiel mit den Rücken- und Gesäßmuskeln, dem Zwerchfell und dem Beckenboden. Du erhältst im Folgenden einen Überblick über die einzelnen Bauchmuskelpartien und ihre jeweilige Funktion.

Die seitlichen und tiefen Schlankmacher – Dein Muskelkorsett

Diese Muskeln formen den Rumpf und bestimmen die Figur von Bauch und Taille, neben  anderen wichtigen Aufgaben. Ich spreche hier vereinfacht von den schrägen und tiefen Bauchmuskeln.

Äußerer schräger Bauchmuskel (Musculus obliquus externus abdominis)
Er entspringt von der fünften bis zwölften Rippe und zieht mittig zur Linie alba (weiße Linie) und zum Darmbein am knöchernen Becken. Er bildet das vordere Blatt der Rectusscheide. Dieser Muskel ermöglicht bei einseitiger Anspannung die Seitneigung sowie die Drehung zur gegenüberliegenden Seite. Arbeitet er beidseitig, kann er den Rumpf beugen oder das Becken heben. Auch für die Bauchpresse und die Ausatmung ist dieser Muskel wichtig.

Innerer schräger Bauchmuskel (Musculus obliquus internus abdominis)
Seine Fasern laufen von unten außen – vom Beckenkamm – nach oben innen zur Rectusscheide und zum unteren Rand der zehnten bis zwölften Rippe. Sie kreuzen sich im Winkel von 90 Grad mit den Fasern des äußeren schrägen Bauchmuskels. Der Muskel neigt und rotiert den Rumpf einseitig zur gleichen Seite. Beidseitig angespannt beugt er den Rumpf und hebt das Becken. Außerdem hilft er wie der äußere schräge Bauchmuskel bei der Bauchpresse und der Ausatmung.

Querverlaufender Bauchmuskel (Musculus transversus abdominis)
Diesem Muskel schenken wir im Pilates Training ganz besondere Aufmerksamkeit! Dieser Muskel liegt ganz in der Tiefe des Bauches und kleidet die gesamte innere Bauchwand aus. Er entspringt von den Innenflächen der Rippenknorpel – der unteren Brustwirbelsäule – sowie der Lendenwirbelsäule, außerdem vom Beckenkamm bis zum Schambein und zieht paarig querverlaufend zur Mitte des Bauches vorne. Er rotiert den Rumpf einseitig zur gleichen Seite und ist verantwortlich für das Zusammenpressen des Bauches und das Absenken der Rippen.

Das oberflächliche Waschbrett

Gerader Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis)
Dieser bestimmt bekannteste Bauchmuskel prägt die vordere Bauchwand.

Seinen Ursprung hat dieser paarig angelegte Muskel an der Vorderfläche der unteren Rippen sowie an der Brustbeinspitze. Er zieht sich in zwei Bahnen bis zum Schambein hinab. Der Muskel wird unterteilt durch drei bis vier Zwischensehnen. So entwickelt sich bei gut ausgebildeter Muskulatur ein sogenannter Waschbrettbauch oder ein „Six-Pack“. In der Mitte dieser beiden Muskelplatten befindet sich als Mittellinie die Linea alba. Sie beschreibt die Bindegewebsnaht des Bauches. Ein Auseinanderweichen dieser beiden Muskelplatten im Bereich der Liniea alba, die während einer Schwangerschaft besonders stark gedehnt werden, wird als Rectusdiastase bezeichnet (siehe Übung Cross-Over). Der gerade Bauchmuskel sorgt dafür, dass der Brustkorb in Richtung Beine gezogen und der Rumpf dadurch gebeugt wird. Bei einem fixierten Oberkörper wird andererseits der vordere Beckenrand angehoben. Der gerade Bauchmuskel ist außerdem sehr wichtig für die Buchpresse und die Atmung.

Pyramidenmuskel (Musculus Pyramidalsi)
Auch dieser kleine Muskel ist paarig angelegt und läuft wie eine Pyramide geformt vom Schambein direkt in die Rectusscheide. Er spannt vor allem den unteren Bauch und arbeitet gut mit der Beckenbodenmuskulatur zusammen.

In einer Schwangerschaft müssen sich Deine Bauchmuskeln innerhalb kürzester Zeit maximal dehnen, um Platz zu schaffen für das wachsende Baby. Gleichzeitig muss die Muskulatur des Rückens und des Bauches maximale Haltearbeit gegen die Schwerkraft leisten. Und in der Austreibungsphase muss die Bauchmuskulatur über die Bauchpresse helfen, Dein Baby herauszuschieben. Es ist also gut und unterstützend für diesen Prozess, wenn Du schon vor und während Deiner Schwangerschaft – selbstverständlich angepasst – Bauch- und Rückenmuskulatur trainiert hast.

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